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Stand der Standardisierung

Aktuelle Standardisierungsaktivitäten im Bioenergiesektor
Politische aber auch zivilgesellschaftliche Aktivitäten zur Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards (die auch Naturschutzstandards enthalten) für Bioenergieträger werden derzeit auf verschiedenen Ebenen vorangetrieben. Sowohl auf deutscher als auch auf europäischer sowie auf internationaler Ebene sind Prozesse im Gang. Nachfolgende Zusammenfassung gibt eine kurze Übersicht der aktuellen Situation.

Europäische Union
Renewable Energy Directive (RED)

Zentrales Instrument für die Nachhaltigkeitsanforderungen für flüssige Biomasse ist die im Juni 2009 veröffentlichte Richtlinie zur Förderung der Erneuerbaren Energien. Sie regelt erstmals Nachhaltigkeitskriterien für Biofuels und Bioliquids EU-weit. Die Richtlinie besagt, dass bestimmte Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden müssen, wenn in Europa produzierte oder nach Europa importierte Biofuels im Rahmen der Beimischungsquote oder von Steuervergünstigungen berücksichtigt werden sollen. Die Richtlinie muss bis 2010 von den Mitgliedsstaaten in nationale Gesetzgebung überführt werden. In Deutschland wird die RED durch zwei Biomassenachhaltigkeitsverordnungen (s.u.) umgesetzt werden.
Der Artikel 17 der Richtlinie bildet dabei die naturschutzrelevanten Nachhaltigkeitskriterien ab:
•    THG-Einsparung muss 35 % betragen, ab 2017 müssen es 50% sein.
•    Keine Biomasse von Flächen mit hohem Wert der biologischen Vielfalt  (Stichtag Januar 2008)
•    Keine Biomasse von Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand (Januar 2008)
•    Flüssige Biobrennstoffe aus der EU müssen gemäß den gemeinsamen Regeln für Direktzahlungen erfolgen (CrossCompliance).

Nachhaltigkeitsrichtlinie für andere Biomasseanwendungen

Bereits bis 2010 soll ein weiterer Richtlinienentwurf erarbeitet werden, der Nachhaltigkeitskriterien für andere Biomasseanwendungen regelt (z.B. feste und gasförmige Biomasse).

CEN/TC 383 „Sustainably produced biomass for energy application“
Das europäische Normungsinstitut CEN hat im Mai 2008 einen Standardsetzungsprozess initialisiert, der 2012 in eine E-Norm münden wird. In diesem Standard sollen Nachhaltigkeitskriterien für alle Biomasseanwendungen (energetische Verwertung gesamt) formuliert werden. Ein erster Entwurf des CEN-Standards wird Anfang 2010 vorliegen.


Deutschland

Auch die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass Bioenergie nachhaltig erzeugt und verwendet wird. Dazu sollen Nachhaltigkeitsstandards auf nationaler Ebene formuliert werden, die im Wesentlichen die Anforderungen der Erneuerbaren Energien Richtlinie umsetzen und entsprechende Zertifizierungssysteme unterstützt werden. Verschiedene Gesetzesinitiativen verfolgen derzeit eine Umsetzung von Standards.

Standards für Strom aus Biomasse

Auch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2009 enthält Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Biomasse, die in einer Nachhaltigkeitsverordnung noch näher ausgeführt werden. Insbesondere ist der Nawaro-Bonus für Palm- und Sojaöl nur unter dem Vorbehalt eines Nachhaltigkeitsnachweises in die Positivliste aufgenommen worden (Anlage 2, III). Deshalb muss der gesicherte Nachweis von Nachhaltigkeitskriterien ermöglicht werden, damit der Einsatz von Palm- und Sojaöl in BHKWs weiterhin wirtschaftlich ermöglicht werden kann. Die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung wurde im Juli 2009 veröffentlicht.

Standards für Biotreibstoffe

Auch im Biokraftstoffquotengesetz und dem Energiesteuergesetz wurden bereits Ermächtigungen verankert, die die Erfüllung der Quotenverpflichtung sowie die Gewährung von Steuervergünstigungen an spezifische Nachhaltigkeitskriterien binden sollen. Dazu soll eine Nachhaltigkeitsverordnung noch in 2009 verabschiedet werden.

Standards für Wärme aus Biomasse

Ebenso stellt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz Nachhaltigkeitsanfor-
derungen an eingesetzte flüssige Biomasse. Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz verweist dazu in der Anlage auf die Nachhaltigkeitsverordnung die auf Grund der Ermächtigung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes erlassen wird.


International

Auf internationaler Ebene werden seit einigen Jahren verschiedene Standardsysteme parallel vorangetrieben. In oft breit angelegten Beteiligungsprozessen werden kulturartenspezifische (Palmöl, Zuckerrohr, Soja) und produktspezifische Standards (Biotreibstoffe) entwickelt. Alle diese Systeme basieren allerdings auf freiwilliger Teilnahme von Marktteilnehmern. Die verschiedenen Standardsysteme setzen unterschiedliche Schwerpunkte und haben demzufolge auch sehr heterogene Prüfkriterien.
Die wichtigsten Standardisierungsprozesse im Sektor der Bioenergie sind:

•    Roundtable on Sustainable Biofuels (RSB)
VVersion Zero seit 2008, die Version One ist im November 2009, unter Einbeziehung einer breiten Stakeholder Consultation, erschienen.
•    Roundtable on sustainable palmoil (RSPO)
Gegründet 2004, über 340 Organisationen sind Mitglieder; erste Zertifizierungen bereits 2008
•    Roundtable on responsible Soy (RTRS)
Gegründet 2004, multi-stakeholder-initiative; RTRS Standard for Responsible Soy Production Version 1.0 veröffentlicht im Juni 2010;
•    Better Sugarcane Initiative (BSI)
    Keine Zertifizierungen bislang
•    International Sustainability and Carbon Certification (ISCC)

    Projekt finanziert durch BMELV und FNR, erste Zertifizierungen sind bereits durchgeführt
 

 

Übersicht: Naturschutzrelevante Rechtsnormen/Standardsetzungsprozesse im Bioenergiesektor

 

Regelungsbereich

Rechtsnormen

Geltungsebene

(Vorauss.)

Inkrafttreten

Biofuels &

Bioliquids

Andere Biomasse

BioNachV für Biokraftstoffe

Deu+Import

(2009)

X

 

BioSt-NachV für flüssige Biomasse zur Stromerzeugung

Deu+Import

2009

X

 

Erneuerbare Energien Richtlinie (RED)

EU+Import

2009

X

 

EU-Nachhaltigkeits-Richtlinie

für andere Biomasse

EU+Import

(2011/12)

 

X

Voluntäre Standards (Auswahl)

CEN

EU+Import

2012

X

X

RSB (Roundtable on sustainable Biofuels)

Internat.

2009

X

 

RSPO (Roundtable on sustainable palmoil)

Internat.

2008

X

 

RTRS (Roundtable on responsible Soy)

Internat.

2010

X

 

BSI (Better Sugarcane Initiative)

Internat.

k. A.

X

 

ISCC (International Sustainability and Carbon Certification)

Internat.

2008

X

X